
Der Jesuit Jörg Alt, der bei der Letzten Generation mitmacht, schreibt als Wort zum Sonntag ein Zitat von Pius XI, anwendbar auf zivilen Widerstand gegen die fossilen Mächtigen:
„Andererseits wurde unter Ihnen auch gesagt, dass, wenn diese Mächte sich gegen Gerechtigkeit und Wahrheit erheben und sogar die Grundlagen der Autorität zerstören, nicht ersichtlich ist, wie jene Bürger verurteilt werden sollen, die sich zusammengeschlossen haben, um sich zu verteidigen und die Nation mit legalen und angemessenen Mitteln gegen diejenigen zu verteidigen, die öffentliche Macht nutzen, um sie in den Ruin zu treiben. (übersetzt von mir, HD)
Die Stelle ist im Vatikanischen Archiv:
“You have more than once recalled to your Faithful that the Church protects peace and order, even at the cost of grave sacrifices, and that it condemns every unjust insurrection or violence against constituted powers.
On the other hand, among you it has also been said that, whenever these powers arise against justice and truth even to destroying the very foundations of authority, it is not to be seen how those citizens are to be condemned who united to defend themselves and the nation, by licit and appropriate means, against those who make use of public power to bring it to ruin”
Es folgen Kriterien zur näheren Bestimmung der Aussage, die nach Meinung von Jörg Alt SJ auch auf Aktionen der @AufstandLastGen anwendbar sind.
Hier der weitere Text der Enzyklika:
28. If the practical solution depends on concrete circumstances, We must, however, on Our part recall to you some general principles, always to be kept in mind, and they are:
1) That these revindications have reason [the ratio] of means, or of relative end, not of ultimate and absolute end;
2) That, in reason [ratio] of means, they must be licit actions and not intrinsically evil;
3) That, if they are to be means proportionate to the end, they must be used only in the measure in which they serve to obtain or render possible, in whole or in part, the end, and in such manner that they do not cause to the community greater damages than those they seek to repair;
4) That the use of such means and the exercise of civic and political rights in their fulness, embracing also problems of order purely material and technical, or any violent defense, does not enter in any manner in the task of the clergy or of Catholic Action as such, although to both appertains the preparation of Catholics to make just use of their rights, and to defend them with all legitimate means according as the common good requires;
5) The clergy and Catholic Action, being, by their mission of peace and love, consecrated to uniting all men in vinculo pacis (Ephesians IV. 3), must contribute to the prosperity of the nation, especially encouraging the union of those social initiatives which are not opposed to dogma or to the laws of Christian morals.
Furthermore, this very civil activity of the Mexican Catholics, carried out with such a noble and elevated spirit, will obtain results that are the more efficacious the more the Catholics themselves shall have the supernatural vision of life, that religious and moral education and that burning zeal for the spread of the Kingdom of Our Lord Jesus Christ which Catholic Action intends to give.
Quellen: Enzyklika FIRMISSIMAM CONSTANTIAM, Pius XI (Achille Ratti) 1857 – 1939, Papst von 1922 bis 1939. Wikipedia
Jörg Alt SJ https://twitter.com/JoergAltSJ/status/1675411629767262208
Die Enzyklika ist an die Bischöfe und alle Ordinierte Mexikos gerichtet. Hier eine grobe vorsichtige Übersetzung der Kapitel 27 und 28:
27. Sie (die Bischöfe und die Ordinierten Mexikos) haben ihre Gläubigen mehr als einmal daran erinnert, dass die Kirche Frieden und Ordnung schützt, auch um den Preis schwerer Opfer, und dass sie jeden ungerechten Aufstand und jede Gewalt gegen die etablierten Mächte verurteilt.
Andererseits wurde unter Ihnen auch gesagt, dass, wenn diese Mächte sich gegen Gerechtigkeit und Wahrheit erheben und sogar die Grundlagen der Autorität zerstören, nicht ersichtlich ist, wie jene Bürger verurteilt werden sollen, die sich zusammengeschlossen haben, um sich zu verteidigen und die Nation mit legalen und angemessenen Mitteln gegen diejenigen zu verteidigen, die öffentliche Macht nutzen, um sie in den Ruin zu treiben.
28. Wenn die praktische Lösung von konkreten Umständen abhängt, müssen Wir Sie jedoch unsererseits an einige allgemeine Grundsätze erinnern, die immer im Auge zu behalten sind, und zwar:
1) Dass diese Zurechtweisungen einen Grund [das Verhältnis] der Mittel oder des relativen Zwecks haben, nicht des endgültigen und absoluten Zwecks;
2) Dass es sich im Verhältnis der Mittel um legale Handlungen handeln muss und sie nicht an sich böse sein müssen;
3) Wenn sie Mittel sein sollen, die in einem angemessenen Verhältnis zum Zweck stehen, dürfen sie nur in dem Maße verwendet werden, in dem sie dazu dienen, den Zweck ganz oder teilweise zu erreichen oder zu ermöglichen, und in einer Weise, in der sie dies nicht tun, der Gemeinschaft größere Schäden zufügen, als sie reparieren wollen;
4) Dass die Anwendung solcher Mittel und die Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte in ihrer ganzen Fülle, die auch rein materielle und technische Ordnungsprobleme oder jede gewaltsame Verteidigung einschließt, in keiner Weise zur Aufgabe des Klerus oder der Katholischen Aktion als solcher gehört, obwohl zu beiden die Vorbereitung der Katholiken gehört, von ihren Rechten in gerechter Weise Gebrauch zu machen und sie mit allen rechtmäßigen Mitteln zu verteidigen, wie es das Gemeinwohl es erfordert;
5) Der Klerus und die Katholische Aktion, die durch ihre Mission des Friedens und der Liebe darauf ausgerichtet sind, alle Menschen in vinculo pacis zu vereinen (Epheser IV, 3 „Band des Friedens“), müssen zum Wohlstand der Nation beitragen und insbesondere die Vereinigung dieser sozialen Initiativen fördern, die weder dem Dogma noch den Gesetzen der christlichen Moral widersprechen. Darüber hinaus wird diese sehr zivile Tätigkeit der mexikanischen Katholiken, die mit solch einem edlen und erhabenen Geist durchgeführt wird, zu Ergebnissen führen, die umso wirksamer sein, je mehr die Katholiken selbst die übernatürliche Vision des Lebens, diese religiöse und moralische Erziehung und den brennenden Eifer für die Verbreitung des Reiches unseres Herrn Jesus Christus haben. Das beabsichtigt die Katholische Aktion zu geben.
Klimaprotest
Ein Mann will nach unten
von Ralf Hutter vom 07.06.2023
Der Jesuit Jörg Alt ist Deutschlands bekanntester Protestpriester. Er beteiligt sich an Straßenblockaden, praktiziert zivilen Ungehorsam und will für seine Aktionen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Was treibt ihn an? Klare Ansagen. Der Jesuit Jörg Alt ist ein lautstarker Unterstützer der Klimaprostestbewegung Klare Ansagen. Der Jesuit Jörg Alt ist ein lautstarker Unterstützer der Klimaprostestbewegung. Jesuit und Dieb – eine sehr ungewöhnliche Kombination. Vor allem, wenn sie eine stolze Selbstbezeichnung ist. Mit dem Hashtag #jesuitunddieb geht Jörg Alt seit Dezember 2021 im Internet hausieren, oder besser gesagt: provozieren. Damals öffnete er den Müllcontainer eines Supermarkts, um weggeworfene Lebensmittel zu retten (und mit seinen Ordensbrüdern zu verspeisen). Seine Straftat zeigte er selbst an. Aber das war nur die erste in einer ganzen Reihe sehr ungewöhnlicher Aktionen. Im August 2022 beteiligte sich Alt an der Blockade einer stark befahrenen Straße vor dem Nürnberger Hauptbahnhof für mehr Klimaschutz. Im Oktober fuhr er für eine Straßenblockade extra nach München. Zwischendurch war er aus Protest gegen das Auslaufen des 9-Euro-Tickets mit anderen Leuten ohne Fahrschein im öffentlichen Nahverkehr unterwegs – auch das angekündigt. Wegen öffentlicher Unterstützung der Gruppe Letzte Generation – gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung läuft, Hausdurchsuchungen inklusive – hat er sich ebenfalls schon selbst angezeigt. Der Staatsschutz führte dann dazu Ermittlungen. Und als die Letzte Generation und ihr Umfeld Ende April eine Woche lang immer wieder in Berlin Straßen blockierten, saß er da auch mit auf der Straße. Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 10/2023 vom 26.05.2023, Seite 32 Die Seele der Welt Die Seele der Welt Was Gott mit der Evolution zu tun hat Ausgabe bestellen Jetzt testen vorheriger Artikel nächster Artikel Der 61-Jährige ist seit Jahrzehnten politisch aktiv. Aber berühmt ist er erst durch den Lebensmitteldiebstahl geworden. Wie kam es dazu, dass ein Mönch, und damit ein frommer Mann des Wortes und der Gesetzestreue, zu einem überzeugten Gesetzesbrecher geworden ist, der es darauf anlegt, ins Gefängnis zu kommen? Wer sich mit ihm unterhält, lernt einen Getriebenen kennen. Einmal bricht es aus ihm heraus: »Ich riskiere Gefängnisstrafen, mache mich hier zum Affen, nur weil die Politik zu feige oder zu unfähig ist, Forderungen umzusetzen, die sie selbst im Koalitionsvertrag drinstehen hat!« Alt ist ein Empörter. Im Gespräch wirkt er immer wieder ungeduldig. Er ist schon etwas ergraut, aber sein Habitus ist noch der des Mittzwanzigers, der sich damals mit den Ordensoberen und der CSU anlegte, als er bei seiner Arbeit mit Geflüchteten in Würzburg feststellte, dass die unter anderem durch die Zuteilung von Essenspaketen statt Bargeld diskriminiert wurden. »Ich wollte das System abschaffen«, sagt er heute dazu. Die zweite Seite von Jörg Alt ist das Zielstrebige, Anpackende, die Prinzipientreue und das Politische. Er erforschte die Lebenswelt von Menschen ohne Aufenthaltstitel und schuf als Erster eine Datenbasis dafür, was ihm nachträglich einen Doktortitel in Soziologie einbrachte. In seinem Profil auf der Internetplattform Twitter zählt er seine Eigenschaften auf. »Sozialwissenschaftler« steht an erster Stelle, »katholischer Priester« erst an vierter. Am Ende steht ein Zitat des US-amerikanischen Jesuiten Daniel Berrigan (1921-2016), den Alt als Vorbild bezeichnet: »Some property has no right to exist.« Es gibt Eigentum, das kein Existenzrecht hat. Ehrentitel: Dieb, Gefährder, Straftäter Seit November 2022 steht auf seinem Twitter-Profil hinter seinem Namen nicht nur das übliche »SJ« der Jesuiten (Societas Jesu), sondern auch: »Gefährder«. Das komme daher, dass er nach der Münchner Blockade von der Polizei eine sogenannte Gefährderansprache erhalten habe, erklärt er: »Das ist in der Regel die letzte Verwarnung vor längerem Einsperren. Ich finde es charmant, als Gefährder bezeichnet zu werden, während die eigentlichen Gefährder weiter Subventionen und Dividenden kassieren.« Des Weiteren ist in seinem Lebenslauf im Internet zu lesen: »Seit 2021 Straftäter (schwerer Diebstahl, Nötigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr …).« Wie sehr sich der Gottesmann bemüht, als Bösewicht behandelt zu werden, hat etwas Komödiantisches. Und blieb bislang relativ erfolglos. Im Mai 2022 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen seines Lebensmitteldiebstahls ein. »Weil die Beweislast nicht gut genug sei«, erzählt Alt. »Woraufhin ich gesagt habe: Dann liefere ich halt Daten nach. Ich sehe nicht ein, dass das gegen mich eingestellt wird, während anderswo weiter Leute dafür verurteilt werden.« Er lieferte Beweise nach, das Verfahren wurde wiederaufgenommen, aber erneut eingestellt, weil der Schaden zu gering sei und kein öffentliches Interesse bestehe. »Das ist lachhaft«, sagt Alt, »denn gerade weil öffentliches Interesse an meinem Fall besteht, wurde es eingestellt.« Er habe darauf geachtet, dass die von ihm mitgenommenen Lebensmittel einen Wert oberhalb der Geringfügigkeitsschwelle hatten, so dass das Verfahren nicht hätte eingestellt werden dürfen. »Die Staatsanwaltschaft wollte den Prozess nicht führen, um mir nicht die Bühne des Gerichtssaals zu geben«, ist der Aktivist überzeugt. Der gebürtige Saarbrücker, der sein Abitur 1981 machte und im selben Jahr den Jesuiten beitrat, hat sich stets über die Ordensgrenzen hinweg engagiert. Zuerst arbeitete er mit Geflüchteten, dann war er der Deutschlandkoordinator einer länderübergreifenden Kampagne gegen Landminen, später widmete er sich den ohne Aufenthaltstitel in Deutschland lebenden Menschen. Seine letzte große Kampagne warb für eine Finanztransaktionssteuer. Zwischendurch arbeitete er in einem sozialen Projekt im Dschungel von Belize. Wie er an das Thema Ökologie geriet, weiß er gar nicht mehr genau. Uwe Schneidewinds Buch »Die große Transformation« habe eine Rolle gespielt. Und der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung, der schon 2011 ein Dokument für einen neuen Gesellschaftsvertrag verfasst hatte. Er hat sich eingelesen, kundig gemacht und sich »gedanklich noch mal völlig umorientiert.« Die Vertiefung in ein Themengebiet, nicht selten auf wissenschaftlichem Niveau, ist typisch für Jörg Alt. In seinen Büchern argumentiert er mit Blick auf die Erderhitzung mehr mit wissenschaftlichen Studien als mit christlicher Ethik. Sein jüngstes hat er mit zwei prominenten Köpfen der Protestbewegung veröffentlicht. Es trägt den Titel: »Die letzte Generation – das sind wir alle.« Anzeige Publik-Forum EDITION »Das Ende des billigen Wohlstands« Wege zu einer Wirtschaft, die nicht zerstört.»Hinter diesem Buch steckt mein Traum von einer Wirtschaft, die ohne Zerstörung auskommt. / mehr Papst Franziskus als Gewährsmann Zum anderen spielt der Jesuitenorden eine entscheidende Rolle. Dort sei der Einsatz für den Glauben genauso wichtig wie der Einsatz für Gerechtigkeit, erzählt er. Zwar sei das nicht immer im Sinne von politischem Engagement verstanden worden, sondern eher auf soziale Projekte bezogen gewesen, die Menschen ein Einkommen verschaffen. Er habe mit jungen Mitbrüdern da einen Generationenkonflikt auszufechten gehabt. Aber 2008 habe das weltweite Jesuiten-Ordensparlament gesagt, »dass es Situationen geben kann, wo wissenschaftliche Analyse und Sozialarbeit nicht ausreichen, sondern gesellschaftspolitisches Engagement, also Advocacy, Anwaltschaft im öffentlichen Raum angebracht ist. Seitdem ist das, was ich gemacht habe und wie ich es gemacht habe, auch jesuitisch.« Er gelte zwar nach wie vor als »Exot«. Die Ordensleitung hält ihn nun aber offenbar für seriös genug, um sogar seinen zivilen Ungehorsam zu akzeptieren. In anderen Ordensgemeinschaften sei das wohl nicht möglich, vermutet Alt. »Das liegt aber auch daran, dass Jesuiten im globalen Süden der Letzten Generation und mir Beifall geklatscht haben, weil sie gesagt haben: Bei uns ist der Klimawandel bereits eine Disruption des Alltags, und es wird höchste Zeit, dass die Menschen im Norden merken, was für eine Disruption das auch für sie wird.« Zur Nürnberger Straßenblockade im August gab es eine Solidaritätserklärung, die von rund 40 Führungskräften des Jesuitenordens in Asien und Afrika, aber auch des europäischen und Weltverbandes getragen wurde. Wie sehr der Orden hinter Jörg Alt steht, zeigt das Ukama. So heißt das Nürnberger Ordenshaus seit 2021, als es aufhörte, das Noviziat für den deutschsprachigen Raum und Teile Nordeuropas zu sein. Ukama ist ein Begriff aus der afrikanischen Sprache Shona und meint so viel wie Verwandtschaft von allem mit allem. Die einstige Ausbildungsstätte, eine Villa am Nürnberger Stadtpark, ist nun ein »Zentrum für sozialökologische Transformation« – und ein politischer Treffpunkt, den Alt ausbaut. Neben theologischen Büchern steht im Seminarraum kapitalismuskritische Wirtschaftsliteratur. Die Villa steht für Gruppentreffen und Seminare offen. Die Fridays for Future tagten schon hier, das Bündnis »Wir transformieren Bayern« und der Verkehrsclub Deutschland, der sich für die Verkehrswende einsetzt. Im Haus leben vier Jesuiten sowie einige Geflüchtete, darunter zwei im Kirchenasyl. Das Kirchenasyl war in den letzten Jahren gerade in Bayern sehr umstritten, auch vor Gericht. Es ist eine Form des kirchlichen zivilen Ungehorsams, der nun ausgeweitet werden soll zum Zweck der sozialökologischen Transformation. Diese, so heißt es im Internetauftritt der Ukama, habe eine konstruktive und eine konflikthafte Seite. Papst Franziskus wird als Gewährsmann für zivilen Ungehorsam angeführt, mit seinen berühmten Satz, wonach diese Wirtschaft tötet. Deshalb reklamiert Jörg Alt sogar den Begriff »Gegengewalt« für seine Straßenblockaden. Es ist aber nicht so, dass hier ein Jesuit nur mit allen möglichen Ökogruppen den Konflikt mit Regierung und Gesetz sucht. Der große Netzwerker schmiedet auch kirchliche Bündnisse, ziemlich erfolgreich auch in evangelischen Kreisen. Beim Kirchentag in Nürnberg wird er auf zwei Podien sitzen, eines davon handelt vom zivilen Ungehorsam. Zur Nürnberger Straßenblockade präsentierte er nicht nur die Solidaritätserklärung der Jesuiten, sondern auch eine weitere, die von erstaunlich vielen kirchlichen Angestellten, Führungsfiguren und Laiengruppen unterzeichnet worden war: Umweltbeauftragte von katholischen Bistümern, leitende Angestellte der evangelischen Kirche, Hochschulpfarrerinnen und -pfarrer. Für die Münchner Straßenblockade entwickelte Alt mit dem Hannoveraner Theologen Jürgen Manemann sowie der Regensburger Theologieprofessorin Ute Leimgruber eine Solidaritätserklärung von Menschen mit theologischem Studienabschluss, die in der katholischen Kirche arbeiten: »Wir hatten ruck, zuck über 100 Unterzeichner. Das waren Leute in Ordinarien und Pfarreien, aber auch Lehrstuhlinhaber.« Der »Appell an die Verantwortungsträger und Verantwortungsträgerinnen in der katholischen Kirche in Deutschland« enthält brisante Stellen. Ein Beispiel: »Ziviler Ungehorsam ist bis in die Gegenwart hinein Bestandteil christlicher Praxis, immer wieder neu inspiriert durch die Erinnerung an Propheten und Prophetinnen und Jesus.« Wegen der Münchner Blockade hat der Möchtegern-Gefährder einen Strafbefehl erhalten. 1200 Euro sollte er bezahlen. Am 16. Mai änderte das Amtsgericht München die Strafe in zehn Tagessätze zu einem Euro. Ob Alt das auch für ihn überraschende Urteil akzeptieren wird, war bei Redaktionsschluss unklar. Er strebt sozusagen nach Höherem: »Daniel Berrigan ist 25 Mal verhaftet worden, ich erst fünf Mal.« Der US-amerikanische Jesuit war ein Held der Friedensbewegung, vor allem im Vietnamkrieg. Mit Gleichgesinnten holte er einmal Akten aus einem Rekrutierungsbüro der Armee und verbrannte sie vor dem Haus. »Einmal ist er mit einer Gruppe in ein Militärdepot eingedrungen und hat mit einem Hammer eine Rakete beschädigt«, führt Jörg Alt aus. »Ich war bei der Feier seines 85. Geburtstags. Es war nett, aber ich dachte: Du bist ja auf einer ganz anderen Ebene unterwegs.« Zum ersten Mal lacht der kämpferische Jesuit. Berrigan »war halt auch einer, der gesagt hat: Es gibt genug Wissen, wir müssen was tun«. Ralf Hutter ist Soziologe und lebt als freier Journalist in Berlin.
Dieser Text stammt von der Webseite https://www.publik-forum.de/religion-kirchen/ein-mann-will-nach-unten des Internetauftritts von Publik-Forum

