Kampf dem Hunger
von Simone Schlindwein vom 24.07.2023
Agrarreform von unten: Edward Mukiibi, der neue Vorsitzende der weltweiten Slow-Food-Bewegung, kommt aus Uganda. Er will die Landwirtschaft in dem ostafrikanischen Land umkrempeln und so zur Ernährungssicherheit beitragen.

Lesen, Rechnen, Landwirtschaft: An seiner Schule lernt Brandon alles über traditionellen Lebensmittelanbau.
Die Sonne brennt. Brandon Wamala kniet im Gemüsegarten seiner Schule und harkt Unkraut. Dem drahtigen Jungen läuft der Schweiß über die Stirn. Die extreme Trockenzeit des vergangenen Jahres in Ostafrika hat auch die Böden in Uganda ausgetrocknet. Der 16-Jährige muss tief graben und die Erde umstechen, um frische Samen aussäen zu können. »Wir haben viel Kompost produziert, damit reichern wir jetzt die Böden an«, erklärt Brandon Wamala. »Mit unseren traditionellen Methoden kann uns auch die Dürre nichts anhaben«, sagt er.
Datum der Erstveröffentlichung: 18.07.2023 Simone Schlindwein ist taz-Auslandskorrespondentin für mehrere Länder in Afrika. Sie lebt und arbeitet in Uganda.
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Mit seinen fruchtbaren Böden und dem milden Tropenklima gilt das ostafrikanische Land als der Gemüsegarten Afrikas. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen etwa kauft hier ein, um die Geflüchteten in den Lagern der umliegenden Krisengebiete zu ernähren. Die extreme Dürre in Ostafrika im vergangenen Jahr hat die Zahl der Hungerleidenden in der Region enorm ansteigen lassen: Mehr als 21 Millionen Menschen haben nicht genügend zu essen – und es ist kein Ende in Sicht. Trotz einsetzender Regenzeit sind die Böden vielerorts zu ausgetrocknet, als dass die Bauern säen könnten. So wird es in naher Zukunft keine Ernte geben. Hilfswerke warnen bereits vor einer Hungerkatastrophe.
Noel Nanyunjas Gemüsegarten in einem kleinen Dorf im Speckgürtel Kampalas wirkt hingegen, als hätte es nie eine Dürre gegeben. Die Bananenstauden sind knallgrün, die Paprika leuchten feuerrot, und der Kürbisstrauch trägt gelbe Blüten. Die Bäuerin mit den violett gefärbten kurzen Haaren steht barfuß zwischen Rosmarin und Frühlingszwiebeln und harkt Unkraut. Schweiß rinnt ihr über die Stirn. Trotz der mittlerweile einsetzenden Regenzeit brennt die Sonne. Doch ihr Ackerboden ist nicht trocken. Regenwürmer ringeln sich darin, es riecht nach Torf.
Nanyunja zeigt nach oben, auf den Avocado-Baum, die Kaffeesträucher und die Bananenstauden, die dazwischen emporwachsen, dem Acker Schatten spenden und die Feuchtigkeit halten. »Unsere traditionelle dreidimensionale Anbauweise hat uns vor dem Hunger bewahrt«, sagt sie. Auch Bohnenranken und Yamknollen schlängeln sich an den Stauden empor. »So haben schon meine Urgroßeltern angebaut«, sagt sie.
Die 60-Jährige ist Gründungsmitglied von Slow Food in Uganda und Vorsitzende der Frauengruppe im Bezirk Mukono, 30 Kilometer westlich von Kampala. Hier organisieren sich die Bäuerinnen, um Wissen über traditionelle Anbauweisen zu bewahren und weiterzugeben. »Wir tauschen auch Samen«, erzählt sie und pflückt eine graubraune Yamknolle. »Diese extrem trockenresistente Sorte war fast ausgestorben«, sagt sie. »Jetzt pflanzen wir sie wieder an.«
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