Studie: Eine Milliarde Tote durch das Verbrennen von Kohlenstoff

Professor Richard Parncutt, Graz

Es ist keine Panikmache, was zwei Forscher in ihrer Metastudie herausgefunden haben. Der eine ist Professor Joshua Pearce, der auf einer Kanadischen Universität forscht und der andere ist Richard Parncutt, der auf der Universität in Graz forscht.

Sie greifen auf Studien zurück, die versuchten, die durch den Klimawandel verursachten menschlichen Todesfälle auszurechnen und dabei die methodischen Schwierigkeiten zu überwinden. Pearce und Parncutt haben die „Schätzungen der künftigen Zahl menschlicher Todesopfer durch den Klimawandel in jedem Maßstab und an jedem Ort verglichen und synthetisiert“. In ihrem Artikel bringen sie auch Handlungsoptionen für die Energiepolitik.

Professor Joshua Pearce, Kanada

Sie gehen wie viele andere Studien von der „1000-Tonnen-Regel“ aus, dass ein Mensch getötet wird, wenn 1000 Tonnen fossiler Kohlenstoff (C) verbrannt werden. Wenn die globale Erwärmung 2°C erreicht oder überschreitet, werden eine Milliarde Menschen sterben.

Vor allem reichere Menschen, die sehr viel Kohlenstoff verbrennen und damit den Treibhauseffekt immens erhöhen, werden für den Tod von einer Milliarde Menschen verantwortlich sein. Dies sei mit unfreiwilliger oder fahrlässiger Tötung vergleichbar.

In dem Interview von „Moment“ bringt Parncutt ein Beispiel: „Ich bin Australier. In der Vergangenheit flog ich oft nach Australien. Bei einem solchen Flug wird für jeden Fluggast ca. eine Tonne Kohlenstoff verbrannt, das entspricht ca. vier Tonnen CO2. Nach der 1000-Tonnen-Regel töte ich ein Tausendstel von einem Menschen, wenn ich nach Australien fliege. Das entspricht einer Lebenszeitverkürzung von ca. einem Monat. Das ist ja unglaublich. Und deshalb sind diese Art von Vergleichen politisch, glaube ich, sehr interessant.“
Ach wenn die globalen Emissionen stark reduziert werden, sterben noch immer Menschen.
Im August 2021 warnte UNICEF, dass über eine Milliarde Kinder einem extremen Risiko für die Auswirkungen der Klimakrise ausgesetzt seien (Laut dem Children’s Climate Risk Index):

Die Forderungen dieser Metastudie:
STOPP: Jegliche Erzeugung von Energie mit fossilen Brennstoffen muss sofort gestoppt werden, etwa um 90% bis 2030.
ENERGIEEINSPARUNG: Eine verbesserte Energieeffizienz und eine rationelle Energienutzung sollten durch staatliche Programme unterstützt werden: Industrie, Landwirtschaft, Transport, nachhaltige Städte, Wohnungen, Haushalt, Industrie- und Entwicklungswelt.
ENTWICKLUNG DES ENERGIEMIX: Vollständiger Ersatz von kohlenstoffreichen Brennstoffen (Kohle, Erdgas, Erdöl) durch kohlenstofffreie Brennstoffe (Wasserstoff, Strom) aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Windkraft, Geothermie, Biomasse und vor allen Solarenergie. Politische Instrumente sind handelbare Emissionsrechte, Steuergutschriften, Subventionen, Vorschriften wie Einspeisetarife für die Erzeugung erneuerbaren Energien.
KOHLENSTOFFABFALLMANAGEMENT: Entwicklung von Techniken zur Entwertung kohlenstoffintensiver Brennstoffe wie Kohlenstoffsteuern und technische Mittel zur Abscheidung und Speicherung von CO2 wie der Kohlenstoffbindung im Boden.

Richard Parncutt spricht auch Klartext: Es geht auch um Schuld. Schuld ist ein wichtiger gesellschaftlicher Mechanismus. Indem sie Gerechtigkeit fördert, kann sie auch Leben retten. Wenn wir das Recht auf Leben von anderen Menschen nicht berücksichtigen, sind wir diesbezüglich schuldig. Wir sind keine Mörder, aber wir sind Leute, die bewusst den Tod von anderen Menschen mitverursacht haben. Wenn wir diese Wahrheit erkennen, haben wir die Chance, die globalen Emissionen signifikant und nachhaltig zu bremsen.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass möglicherweise stärkere Maßnahmen erforderlich sind als die schrittweise Dekarbonisierung wie in der Vergangenheit:

1. Anstelle einer schrittweisen Erhöhung der Kohlenstoffsteuern sollte man die Gewinnung aller fossilen Brennstoffe verbieten.
2. Die Verträge für fossile Brennstoffe widerrufen. Unternehmen zerstreuen ihre Vermögenswerte.
3. Massenhaft Arbeitskräfte im Bereich der fossilen Brennstoffe müssen im Bereich der erneuerbaren Energien umgeschult werden.
4. Die Regelungen für fossile Brennstoffe aufheben, indem den Bürgern Technologien für erneuerbare Energien zur Verfügung gestellt werden.
5. Open-Source-Technologien fördern, um die Wirtschaftlichkeit fossiler Brennstoffsysteme zu untergraben.
6. Statt komplizierter und zeitraubender Rabatte für Energieeinsparungen Massenkäufe von Energieeinsparungs- oder erneuerbaren Energietechnologien tätigen und diese frei verfügbar an alle Bürger machen (z. B. Verstaatlichung/Kauf/Bau/Subventionierung von Isolierwerken oder Bereitstellung kostenloser Dämmung für jeden, der sie in Anspruch nimmt).
7. Verbot des Verkaufs von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen oder sogar Verbot aller Autos.
8. Anstatt Anreize für Wärmepumpen schaffen und Erdgasöfen oder sogar Heizkessel verbieten.
9. Nur die Entwicklung von Netto-Null-Gebäuden zulassen (oder noch besser: Gebäude mit positiver Energie) .
10. Da es illegal ist, aus Totschlägen zu profitieren, alle Investitionen im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen zu 100 % besteuern.
11. Klimaemittenten sowie Investoren wirtschaftlich für künftige Schäden durch Kohlenstoffemissionen haftbar machen.

„Einige dieser Energiepolitiken mögen im historischen Kontext extrem erscheinen. Die Angabe der Kohlenstoffemissionen im menschlichen Leben verdeutlicht das Argument. Ein völliges Verbot des Kohleabbaus würde sich beispielsweise negativ auf die Kohlearbeiter auswirken, da sie ihre Arbeitsplätze verlieren würden, und auf Kohleinvestoren, da sie ihr Geld verlieren würden. Da es sowohl alternative Energiequellen als auch alternative Arbeitsplätze gibt, verblassen die Kosten und Unannehmlichkeiten, die mit der Umschulung von Kohlearbeitern für andere Beschäftigungsformen und der Kürzung unverdienter Einkünfte für Kohleinvestoren verbunden sind, die jahrzehntelange wissenschaftliche Warnungen ignoriert haben, im Vergleich zur Notwendigkeit, Millionen von Menschenleben zu schützen.“

Quellen:
Interview in Moment.at, 31.8.2023: https://www.moment.at/story/klimakrise-1-milliarde-tote-studie
Artikel in der Fachzeitung MDPI, 19.8.2023: https://www.mdpi.com/1996-1073/16/16/6074

Prof. Joshua Pearce https://www.ivey.uwo.ca/faculty/directory/joshua-pearce/
Prof. Richard Parncutt https://homepage.uni-graz.at/de/richard.parncutt/

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