Klimaschutz ist sichernd, konservativ und reparierend

Lebensbedingungen auf der Erde müssen gesichert werden. 

Klimaschutz bedeutet ja nicht, dass nur das Klima als solches geschützt wird, sondern dass die Lebensbedingungen auf der Erde geschützt werden, damit wir als Menschheit überleben können. Die grüne Bewegnung hat das Überleben als ihre Forderung übernommen und mit Freiheit, Selbstbestimmung, Autonomie und immer besseren Leben für alle verbunden. Sie hat dabei auch die Hoffnung, dass die Gesellschaft gerechter wird. Einige Linke haben damit auch erwartet, dass wirtschaftlich der Kapitalismus zusammenbricht und politisch in allen Bereichen mehr Demokratie möglich wird. Alle diese Forderungen und Hoffnungen gehen auf die Aufklärung mit dem autonomen Subjekt zurück und haben sich in der modernen Welt nicht erfüllt. Ja, sie haben den Blick auf den Treibhauseffekt und den Artentod verstellt und durch Überforderungen die Vorrangigkeit der Sicherung des Überlebens behindert.

Ich lese gerade das Buch „Unhaltbarkeit- auf dem Weg in eine andere Moderne“ von Ingolfur Blühdorn, Professor für Soziale Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Politik der Nicht-Nachhaltigkeit führe zu einer doppelten Unhaltbarkeit – der Unhaltbarkeit westlicher Konsumgesellschaften und zugleich der des Projekts ihrer Ökologisierung. Die spätmodernen Gesellschaften entwickeln sich hin zu einer anderen Moderne, jenseits liberal-demokratischer Normen und jenseits der Glaubenssätze vom mündigen Bürger. Der Abschied von diesen Werten habe traumatische Konsequenzen.

Ingolfur Blühdorn

In einem Vortrag in Freiburg 2024 beschreibt Blühdorn die Folgen dieser Politik der Nicht-Nachhaltigkeit:
https://www.youtube.com/watch?v=kD8nEyfhPE0

Bei seinem Buch komme ich zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Konsumgesellschaft mit ihrem Ressourcenverbrauch an Grenzen stößt, die aber nicht zu anderen Wertvorstellungen führen.

Aufgabe wird es zwar sein, das Überleben zu organisieren. Dies ist aber nicht das primäre Ziel der Gesellschaft. Das Überleben zu sichern, zu planen und die Zerstörungen zu reparieren muss weder von Linken, noch von Rechten, noch von den in der Mitte gemacht werden. Es wird einfach notwendig sein und von Parteien und Organisationen gemacht werden, die zufällig gerade die Möglichkeit und die Macht haben. Die Handlungen sind im Grunde konservativ, bewahrend, absichernd (kein CO2, Methan) und reparierend. Welche Werte die BewohnerInnen haben, wird ebenfalls kontingent zufällig sein, sollen aber das Bewahren, Sichern, Anpassen und das ständige Reparieren nicht behindern. Das läuft dann unter neuer Moderne.

Es kann sein, so verstehe ich Blühdorn, dass die Werte der Aufklärung wie Freiheit, autonomes Selbst, Emanzipation und immer besseres Leben für alle die Sicherung der Lebensgrundlagen verhindern. Es könnte sein, dass die Vision eines einfachen Lebens mit einer Kultur des gemeinschaftlichen Miteinanders eine Lösung sein kann.

Katastrophen lösen eine Welle von Hilfsbereitschaft aus, verebben aber bald wieder. Wertvorstellungen bekommen hingegend eine Kontinuität, wenn sie als Glaubenssätze ritualisiert vergegenwärtigt werden. Da ist Religion eine große Hilfe.

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