
Die Weltuntergangsbilder der Neuen Rechten sind nicht christlich, sondern unterstützen das Weiter-So und beschleunigen damit das Ende der menschlichen Zivilisation. Sie warnen vor Woken, der Klimabewegung, Linken, dem Feminismus oder der LBTiQ Bewegung.
Die christliche Apokalyptik ist hingegen eine realistische Sicht auf den möglichen Kollaps der menschlichen Zivilisation durch die Gewalt und den Klima-Kollaps.
Die Hoffnung besteht in meinen Augen in drei Bezügen:
in der Nachfolge Jesu,
im Handeln im Heiligen Geist und
im Kommen des Messias Jesus.
Die Neuen Rechten sehen sich als Katechon, der das Böse wie die Klimabewegung und den Feminismus aufhalten soll. Katechon bedeutet aus dem Altgriechischen übersetzt „der Aufhalter“ oder „das Aufhaltende“ und stammt aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher. Er beschreibt eine geheimnisvolle Macht oder Person, die das Auftreten des Antichristen, des falschen Messias und das Ende der Welt hinauszögern soll. Nach dem falschen Messias komme der wahre Messias, Jesus Christus. Diese dritte Phase wird von den Neuen Rechten bewusst nicht wahrgenommen.
Gregor Taxacher beschäftigt sich mit der christlichen Apokalypse. Er lehrt Systematische Theologie an der Uni Dortmund, ist Spezialist für Apokalyptik und politische Theologie und schrieb einen Artikel in der Zeitschrift Publik-Forum: „Der Katechon und das Ende der Welt“. https://www.publik-forum.de/religion-kirchen/der-katechon-und-das-ende-der-welt
Gregor Taxacher: Die Neue Rechte vereinnahmt den Weltuntergang. Doch was Peter Thiel und Co. nicht verstehen: Beim Ende der Welt geht es um die konkrete Gegenwart – und um eine Ermutigung der Ohnmächtigen.
Er notiert am Ende seines Artikels, wofür wir die Apokalypse brauchen:
„Wollte man die Rede vom Katechon also tatsächlich im biblischen Geist auf gegenwärtige Verhältnisse anwenden, dann ergäbe sich wohl ein ganz anderes Bild: Das »Katechon« besteht gerade darin, dass die Herrschenden ihre Herrschaft als notwendig für die Ordnung darstellen. Dadurch wird deren dringend notwendige Transformation verschleiert – und die wirklichen Katastrophen werden hinausgeschoben und noch vergrößert. Ähnlich wie sich die römischen Kaiser als Garanten eines für die allermeisten sehr prekären Lebensstandards feiern ließen, erklärt sich der heutige Kapitalismus als alternativlos, weil er das Wachstum produziert, von dem die Armen kaum etwas abbekommen.
Hier passt auch die neu-rechte (Anti-)Apokalyptik ins Bild: Unter dem Vorwand, eine bedrohte Ordnung verteidigen zu müssen, werden Massen dazu gebracht, sich gegen notwendige Veränderungen zu stellen – gegen den ökologischen und politischen Wandel, der unumgänglich ist. Die globale apokalyptische Situation, die sich nüchtern in Daten abbilden lässt, wird durch aktive Leugnung und durch die Kämpfe um wirkliche und scheinbare Pfründe weiter verschärft. Weil angeblich nur steigende Profite den Wohlstand sichern, soll die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen eben warten. Dieser Katechon muss tatsächlich weggetan werden. Danach kommt gewiss nicht gleich das Reich Gottes. Aber wie sagt der Apokalyptiker Jesus von Nazaret laut dem Evangelisten Markus: »Ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Aber er soll euch, wenn er kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam« (13,35-37).“
Gerade in den drei ersten Evangelien gibt Jesus die Apokalyptik sehr konkret wieder. Es verweist auf die Kriege der Mächte und Reiche und den Zusammenbruch der Natur.
Und bei Lukas 21 lese ich:
Dann sagte Jesus zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. … Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.
https://www.bibleserver.com/EU/Lukas21
https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us24
https://www.bibleserver.com/EU/Markus13
Jesus war Realist. Das konnte er sein, weil er auf das Reich Gottes hoffte.
Meine Hoffnung besteht in drei Bezügen:
in der Nachfolge Jesu,
im Handeln im Heiligen Geist und
im Kommen des Messias Jesus.
