Roger Hallam: Es ist Zeit für prophetische Führung
Roger Hallam ist Mitbegründer von Extinction Rebellion und von Just Stop Oil. Er ist einer der einflussreichsten Umweltaktivisten weltweit. Man könnte ihn als Drahtzieher der niederländischen Blockaden der A12 in Den Haag bezeichnen, die 27 Tage lang trotz 9.000 Festnahmen dauerten. Dieses Interview wurde ursprünglich im niederländischen Magazin De Volkskrant veröffentlicht. Ich übernehme es von seiner Homepage. https://rogerhallam.com/prophetic-leadership-interview/
Roger Hallam öffnet die Tür: „Ah, der Journalist.“
Sein Wohnzimmer in einer kleinen Wohnung im Süden Londons ist vollgestopft mit einem Klavier, Bücherregalen, zwei Fahrrädern, einem Sessel und einem Sofa mit Bettdecken und Decken darauf – offenbar schläft dort jemand. Die Vorhänge hängen lose auf einer Seite. Hallam bietet Wasser in einer Teetasse mit braunen Rückständen an. „Wie lange möchtest du übrigens reden? Ich habe eine Stunde.‘
Ein mögliches Bild von Österreich im Jahr 2040 hat eine Studie im Auftrag von „Mutter Erde“ präsentiert. Darin haben WissenschaftlerInnen des Wegener Center der Uni Graz und der WU Wien drei Wege zu “netto null” Treibhausgasemissionen auf ihre volkswirtschaftlichen Auswirkungen hin analysiert. Sie nennen es „Volkswirtschaftliche Evaluierung von Netto-Null Treibhausgas-Emissionspfaden für Österreich“.
Österreich strebt laut Regierungsprogramm bis 2040 Klimaneutralität an.
1. Ein erstes Szenario – es wird Zero Basis genannt – wäre ein weitermachen wie bisher, nur, dass wir nachhaltige Energie nutzen, die wir international einkaufen. Den Verbrauch reduzieren wir nicht und wir ändern auch nicht unser Verhalten. Dieses Szenario braucht 317 Terawattstunden Gesamtenergie pro Jahr.
2. Bei einem anderen Szenario – es wird Zero Transition genannt – reduzieren wir den Energieverbrauch und den Einsatz von Ressourcen sehr stark. Da müsste die Industrie auf Kreislaufwirtschaft umstellen. Die Erneuerbaren werden ausgebaut, sodass wir uns ab 2030 ohne ausländischen Strom auskommen. Dieses Szenario braucht nur 192 Terawattstunden Gesamtenergie pro Jahr. Die Kreislaufwirtschaft ist arbeitsintensiver und die Arbeitslosigkeit ist geringer. Der Arbeitskräftebedarf lässt die Löhne steigen.
3. Beim dritten Szenario, Just Transition, „Gerechter Übergang“ genannt, arbeitet mit Überlegungen zur sozialen Gerechtigkeit. Da Reichere mehr Treibhausgase emittieren, soll eine luxus-fokussierte CO2-Steuer eingeführt werden. Das betrifft Flugreisen und Autos mit großem Treibhausgas-Ausstoß. Die Arbeitszeit kann pro Tag um 1,2 Stunden reduziert werden. Es wird verstärktes Car-Sharing eingeführt und Parkplätze werden weniger. Das BIP sinkt um 0,5 – 1 Prozent, aber auch die Arbeitslosigkeit wird um 1 – 2 % weniger.
“Die Studie zeigt sehr deutlich, dass sich eine dekarbonisierte und defossilisierte Wirtschaft und Wohlfahrtsgewinne nicht ausschließen, bei kluger Gestaltung einander vielmehr bedingen”, schließen die AutorInnen in ihrer Zusammenfassung. Franz Zeller schreibt in seinem Ö1 Klima-Newsletter darüber: „Abgesehen von Emissionsreduktionen kommt es auch zu positiven Wertschöpfungseffekten, vor allem durch die Umstellung auf materialsparende Produktionsformen. Es gibt also viel zu gewinnen, selbst wenn Veränderungen immer Angst machen. Aber das Ziel ist formuliert. Und der Weg auch.“
Wie soll Europa im Jahr 2040 aussehen? Das wäre mein Vorschlag:
ZUKUNFT: Europa soll ein naturnaher, sozialgerechter, klimaneutraler Kontinent werden. Wir wollen Lebensqualität schaffen und erhalten und damit Gesundheit und Sicherheit gewährleisten.
WOHNEN: Wir wollen ein angenehmes Wohnen in Europa. Dafür sollen alle Häuser gedämmt und die Fassaden begrünt werden. Jede und jeder soll den eigenen Strom erzeugen können (Photovoltaik auf Dächern und Balkonen, gemeinsame Windräder auf hohen Flächen). Verschiedene Arten von Wärmepumpen sollen das Raumklima temperieren.
SCHATTEN: Ein angenehmes Klima im Außenbereich soll geschaffen und bewahrt werden mit schattenspendenden Bäumen auf allen Plätzen und Straßen für die Fußgängerinnen und Fußgänger. Auf den Plätzen sollen Bänke und Tische zum Verweilen einladen.
MOBILITÄT: Wir wollen einen flüssigen und sicheren Verkehr für Autos und Fahrräder auf allen Straßen. Dazu gehören Fahrradwege und Gehwege neben ruhigem, stressfreiem Autoverkehr. In allen Gebieten soll es Mikro-Öffis-Stationen geben, sodass alle, die wollen, mit Kleinbussen abgeholt werden können. Die Anbindung an die Bahn ist uns sehr wichtig. Da möchten wir die Bahnhöfe und die Haltestellen benutzerfreundlicher machen und Fahrradgaragen bereitstellen. Wir wollen Begegnungszonen einrichten, um Freundinnen und Freunde zu treffen.
LEBEWESEN: Wir wollen, dass der Boden gesund bleibt, dass Pflanzen wachsen und Tiere leben können. So sind wir gegen Bodenversiegelungen, die das Grundwasser und die Artenvielfalt bedrohen. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin soll eine gesicherte Wohnung haben. Wohnungen sollen nicht leer stehen, sondern für Menschen da sein.
KINDER: Wir wollen, dass es den Kindern gut geht, dass sie eine gute Bildung und Ausbildung bekommen und sicher in die Schule gehen können. Sie sollen sich durch Kinderparlamente beteiligen können. Jugendliche sollen Räume bekommen, um sich zu entwickeln.
KULTUR: Die Kulturinitiativen und Kulturvereine sollen gefördert werden, ein Kulturzentrum für Veranstaltungen, Reparatur und Workshops soll in allen Orten eingerichtet werden.
DIENSTE: Kommunale Dienste sollen nicht für den Gewinn arbeiten, sondern für die Menschen. Die Fahrzeuge und Maschinen der Gemeinden sollen die Natur nicht belasten, sondern umweltverträgliche Antriebe haben.
HAUSBAU: Sollten Gebäude errichtet werden, sollen sie mit Holz, Lehm und biogenem Material errichtet werden.
NAHRUNG: Die Nahrungsmittel sollen aus der Region und aus biologischem Landbau stammen und möglichst saisonal aufbereitet werden. Auch exotische Früchte können in den Regionen gedeihen. Lebensmittelkooperativen sollen gefördert werden.
GESUNDHEIT UND SICHERHEIT: Die Sicherheit und die Gesundheitsversorgung sind sehr wichtig. Deswegen arbeiten wir mit den Sicherheitsorganen Polizei und Militär zusammen, mit der Feuerwehr, mit den Ärzten und den Rettungsorganisationen. Europa soll sich gegen Diktaturen gut verteidigen können.
PRODUKTION: Die naturfreundliche, nachhaltige Produktion muss ausgerichtet werden auf die Waren und Dienstleistungen, die die Gesundheit, die Sicherheit, die Grundbedürfnisse der Menschen wie Nahrung, Kleidung, Wohnungswärme und die Bewahrung der Lebensgrundlagen, die Biodiversität zum Ziel haben. Es muss zu einer Kreislaufwirtschaft kommen mit geringem Abfall, keinen Treibhausgasemissionen und keinem Mikroplastik. Der Transport von Waren muss nachhaltig gestaltet werden.
KOOPERATION: Wir sind dafür, dass die Kooperation in den Gemeinden gefördert wird, dass die Beziehungen gestärkt werden, dass Mitverantwortung gelebt werden kann und dass man sich wertschätzt.
EUROPA: Wir wollen, dass Europa ein naturnaher, sozialgerechter, klimaneutraler Kontinent wird und bleibt. Wir wollen Lebensqualität schaffen und erhalten. Europa soll ein Kontinent der lebenswerten Zukunft werden.
Mit drastischen Zahlen weisen Fachleute auf die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise hin. Selbst wenn der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bei knapp unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bliebe, würde die Zahl der globalen Hitzetoten bis zur Mitte des Jahrhunderts um 370 Prozent steigen.
114 internationale Fachleute um Marina Romanello vom University College London waren am soeben im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Bericht „Lancet Countdown on health and climate change“. Wie die Autorinnen und Autorinnen schreiben, sind die Menschen weltweit heute doppelt so vielen Tagen mit extremer Hitze ausgesetzt wie im Zeitraum 1986 bis 2005.
Das sei insbesondere lebensbedrohlich für Kleinkinder und ältere Menschen. So ist die Zahl der hitzebedingten Tode von Personen, die älter als 65 Jahre sind, zuletzt gegenüber den Jahren 1991 bis 2000 um 85 Prozent gestiegen. Im Sommer 2022 gab es laut Berechungen etwa in Europa 60.000 Todesfälle durch Hitze. „Nichtstun wird uns teuer zu stehen kommen. Wir können es uns nicht leisten, so untätig zu sein – der Preis dafür sind Menschenleben“, sagt Romanello in einer Aussendung.
Grafik zeigt Temperaturentwicklung bis 2050 und mögliche gesundheitliche Folgen(mehr …)
Dana R. Fisher sieht noch größere globale Klimakatastrophen auf uns zukommen, die zu einer Massenbewegung gegen den fossilen Wahnsinn führen. „In der Zwischenzeit besteht der beste Weg durch die Klimakrise darin, starke Bindungen innerhalb unserer Gemeinschaften aufzubauen.“ Dana R. Fishers Buch „Save Our Selves, From Climate Shocks to Climate Action“ wurde jetzt in der TIME als Artikel zitiert.
Nach 28 Jahren gescheiterter Klimaverhandlungen sind die von den Regierungen wissenschaftlich fundierten Emissionsreduktionen ins Stocken geraten. Folglich ist das Tempo, mit dem die Welt die Bedrohung durch den Klimawandel abmildert und sich an sie anpasst, viel zu langsam, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Die Kohlenstoffkonzentrationen in der Atmosphäre steigen weiterhin schnell an, da die Eisschilde schmelzen und Klimaschocks – wie Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen – an Häufigkeit und Intensität zunehmen. …
Was auch immer der Schock sein mag, es muss eine Massenbewegung gegen diese fest verwurzelten Interessen im Bereich der fossilen Brennstoffe mobilisiert werden.
Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber gehört zu den weltweit renommiertesten Klimaexperten. Er hat dabei auch den Gebäudesektor im Blick. Der Einsatz organischer Baustoffe wie Holz oder Bambus würde erhebliche Mengen an klimaschädlichen Emissionen vermeiden. Darüber hinaus würde sogar eine mächtige CO2-Senke entstehen. Vor diesem Hintergrund hat Schellnhuber mit der Architektin Annette Hillebrandt und rund 20 weiteren Persönlichkeiten die „Bauhaus der Erde“ gGmbH gegründet und stellt auf dem Fachforum Gebäudehülle das Projekt und seine Ziele vor.
Klimaforscher Schellnhuber im ORF: „3 Grad Erderwärmung wäre das Ende der menschlichen Zivilisation.“ #zib2
Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber über die Klimakonferenzen in der zib2: „Die Ergebnisse, die dort erzielt werden sind winzig und nur symbolische Gaben. Wenn die einzelnen Nationen nicht bereit sind, ihre Pläne und Klimaziele umzusetzen, dann sind diese Klimakonferenzen nur Jahrmärkte der Eitelkeit.
Prof. Hans Joachim Schellnhuber – Es geht um Sein oder Nichtsein unserer Zivilisation!
Prof. Hans Joachim „John“ Schellnhuber, Gründer des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung spricht darüber, wie wir uns und unsere Welt noch retten können. Was es seiner Meinung nach braucht, um die Klimaerwärmung zu begrenzen und dass wir unsere Städte in Zukunft aus Holz bauen sollten. Seine Vision dafür: das Bauhaus der Erde. LBBW TALKING TRANSFORMATION Mit dem „European Green Deal“ will die EU die Transformation zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft schaffen. Das Ziel: #Klimaneutralität bis 2050. Im ersten Schritt sollen die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent (verglichen mit 1990) gesenkt werden. Es ist eine beispiellose Herausforderung für #Europa. Was bedeutet Fit-for-55, das Maßnahmenpaket der EU, für die deutschen Unternehmen und die Menschen? Und: sind wir überhaupt „fit for 55“? Darüber sprechen wir mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in der neuen Reihe „Talking Transformation“. Im vier- bis sechswöchigen Turnus geben sie ihre individuelle Einschätzung zum #fitfor55 Transformationsprozess, der uns alle angeht und welcher nur gemeinsam zu schaffen ist. Erfahren Sie mehr über uns auf https://www.lbbw.de/fitfor55
Thilo Spahl schrieb einen Gastartikel auf der Plattform Achgut.com:
Wer hat Angst vor der Klimakatastrophe?
Wissen schützt vor Angst. Denn Menschen, die mehr über die Umwelt im Allgemeinen und über das Klima im Besonderen wissen, haben weniger Angst vor dem Klimawandel. Und umgekehrt haben diejenigen, die weniger wissen, mehr Angst.
Immer häufiger begegnet man in den (sozialen) Medien oder auch im persönlichen Umgang Menschen, die ihre Angst vor dem Klimawandel zum Ausdruck bringen. Menschen, die überzeugt sind, wir steckten mitten in einer „Klimakrise“, und die glauben, eine sich zur Apokalypse ausweitende Klimakatastrophe bräche noch zu ihren Lebzeiten über uns herein. Es gibt schon eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, die versuchten, herauszufinden, was Menschen anfällig für solche Ängste macht. Eine neue Studie widmete sich nun der Frage der Rolle der wissenschaftlichen Kenntnisse.
Die Kreislaufwirtschaft nutzt die Rohstoffe effizient und vermeidet Abfall. Aber wie kommen wir dahin? Ulrike Herrmann bringt eine Idee in die Diskussion ein, die sie von der Kriegswirtschaft der Briten im zweiten Weltkrieg übernimmt. Sie rationierten die Ressourcen, sodass sie gegen Hitler Waffen produzieren konnten. Ulrike Herrmann fragte sich, wie wir von unserer Einwegwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft kommen, die die Rohstoffe effizient nutzt und Abfall vermeidet. Ein Weg wäre, gewisse Dinge zu rationieren. Wie der Kapitalismus transformiert wird, ist meines Erachtens eine offene Frage. (Video Ulrike Herrmann in Freiburg https://www.youtube.com/watch?v=JrIj87UaXMA)
Ich schau mir das einmal an. Rationierung ist sinnvoll bei knappen Produkten oder von Ressourcen, die unsere Lebensgrundlagen zerstören. Es gab in der Geschichte schon Rationierungen und Wikipedia listet eine Vielzahl von Rationierungsarten auf (https://de.wikipedia.org/wiki/Rationierung). Für unser Problem mit der Zerstörung der Lebensgrundlage müssen wir nach einer sanften Rationierung von Erdöl, Erdgas, Kohle, Strom, Wasser, Autos, Flugreisen, Böden, Wohnungen, Sand, Holz, Dünger und Biozide (= Pestizide wie die Unkrautgifte (Herbizide), die Insektengifte (Insektizide), die Pilzgifte (Fungizide), die Antibiotika u.ä.) fragen.
Wirtschaft der Zukunft? | Cradle to Cradle und Kreislaufwirtschaft | klima:check
Die Kreislaufwirtschaft nutzt die Rohstoffe effizienter und vermeidet Abfall. Die EU schreibt dazu:
Die Kreislaufwirtschaft ist ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise wird der Lebenszyklus der Produkte verlängert. In der Praxis bedeutet dies, dass Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nachdem ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, verbleiben die Ressourcen und Materialien so weit wie möglich in der Wirtschaft. Sie werden also immer wieder produktiv weiterverwendet, um weiterhin Wertschöpfung zu generieren. Die Kreislaufwirtschaft steht im Gegensatz zum traditionellen, linearen Wirtschaftsmodell („Wegwerfwirtschaft“). Dieses Modell setzt auf große Mengen billiger, leicht zugänglicher Materialien und Energie. „Geplante Obsoleszenz“ ist ein weiteres Merkmal. Das Europäische Parlament fordert Maßnahmen dagegen, dass Geräte vorzeitig kaputt gehen.
Die Graphik zeigt ein Modell der Kreislaufwirtschaft